Literatur

Rezension – Glamouröse Wienerinnen von Werner Rosenberger

Vielversprechende Thematik…

Wien in den Jahrzehnten nach der Jahrhundertwende ist eine Stadt voller Möglichkeiten: Die Sitten werden über Bord geworfen, alle Regeln gebrochen, Menschen tauchen ein in die Welt von Tanz, Theater, Varieté und Film. Der Schauplatz, den sich Werner Rosenberger für sein Buch Glamouröse Wienerinnen ausgesucht hat, bietet viel Gesprächsstoff. In dem Werk, das 2016 im Metroverlag erschienen ist, dreht sich alles um “den neuen Frauentyp”, der laut Rosenberger zu dieser Zeit entstand. Auf der Buchrückseite liest man Folgendes:

Aufreger waren ihre Karrieren allesamt: Ob Olga Desmond, eine der ersten Nackttänzerinnen von Wien, die Diseuse Greta Keller, von der sich Marlene Dietrich das lasziv-rauchige Timbre abschaute, oder das Makart-Modell Hanna Klinkosch – sie nahmen sich Freiheiten, von denen andere träumten. Einst berühmt, sind diese schillernden Frauenfiguren heute vielfach vergessen. Werner Rosenberger holt sie uns in die Gegenwart.

Meine Mutter hat mir Glamouröse Wienerinnen zu Weihnachten geschenkt und nach der Lektüre des Klappentextes war meine Vorfreude, das Buch zu lesen, sehr groß. Ich bin fasziniert von Frauen, die ihrer Zeit voraus waren und ihren Geschichten. Ich dachte, eine Sammlung genau solcher Erzählungen in diesem Buch gefunden zu haben.

…enttäuschende Umsetzung

Vor einigen Wochen bin ich dann endlich dazu gekommen, das Buch zu lesen. Bis ich damit fertig war, hat es allerdings ziemlich lange gedauert – und das lag nicht an seinem Umfang von 240 Seiten. Zweifelsohne führten alle der Frauen, die Rosenberger in seinem Werk beschreibt, ein faszinierendes Leben und waren auf ihre eigene Weise bahnbrechend. Allerdings geht diese Tatsache durch Rosenbergers Schreibstil unter. Beschreibungen, wie die jeweiligen Karrieren von Stars wie Greta Keller und Anita Berber verliefen, sind knapp und der Leser bekommt kein Gefühl davon, was genau diese Damen – außer ihrer viel beschriebenen hübschen Beine – aus dem Meer der Tänzerinnen und Schauspielerinnen dieser Zeit hervorhebt. Das muss man sich dann selbst dazudenken. Viel Platz wird dafür der Beschreibung der diversen Affären dieser Frauen eingeräumt. Ich verstehe, dass damals der offene Umgang mit ihrem Körper und ihrer Sexualität einen Teil der Außergewöhnlichkeit einer Frau ausgemacht hat, allerdings hätte ich mir zum Ausgleich auch eine detailliertere Beschreibung der anderen Aspekte ihres Lebens gewünscht. Hinzu kommt, dass der Autor zwischendurch immer wieder von der eigentlichen Person abkommt und dann seitenlange Anekdoten zu anderen Persönlichkeiten erzählt, was teilweise wirklich verwirrend und auch irritierend ist.

Fazit

Die Idee von Glamouröse Wienerinnen hat mich fasziniert und ich hätte mich gerne intensiver mit den einzelnen Frauen, von denen in dem Buch gesprochen wird, beschäftigt. Leider kratzt Werner Rosenberger nur an der Oberfläche dieser außergewöhnlichen Persönlichkeiten.

Mein Rating:

★★★/5
Habt ihr das Buch oder andere von dem Autor schon gelesen? Hat es euch besser gefallen? Ich würde mich über eure Kommentare darüber freuen!

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