Persönliches

Die Krankheit in meinem Kopf – meine Erfahrung mit Depressionen & sozialer Phobie

“Und, wie geht es dir?”
Gut – das war schon immer meine Standard-Antwort auf diese Frage. Doch nicht immer habe ich das ernst gemeint. Es gab sogar eine Zeit, da ging es mir richtig schlecht. Allerdings habe ich die Menschen in meinem Umfeld nichts davon wissen lassen. Sechs Jahre ist es schon her, dass ich mit sozialer Phobie und Depressionen bzw. Dysthymie diagnostiziert wurde. Wie es dazu kam und wie es mir heute geht, möchte ich in diesem Beitrag erzählen. Vorsicht, heute wird es ganz persönlich!

Meine Symptome und die Diagnose

Ob ich schon immer schüchtern war, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Da müsste ich wohl bei meinen Eltern nachfragen. Fest steht aber, dass es mir zumindest seit der Pubertät sehr schwer fällt, mit fremden Menschen zu reden. Lange habe ich das auf Schüchternheit geschoben. Doch dann hat es Schritt für Schritt begonnen, meinen Alltag immer mehr zu beeinflussen. Ein Moment, der mir bis heute in Erinnerung bleibt: An Silvester war ich einmal mit einer Freundin auf dem Weg zu einem Bekannten, den ich noch nicht so gut kannte, und wir haben seine Wohnung nicht sofort gefunden. Doch der Gedanke, ihn anzurufen und nachzufragen, hat bei mir so viel Panik ausgelöst, dass ich lieber nach Hause gegangen wäre. Aber selbst die Realisation, dass dieses Verhalten nicht normal sein kann, hat nicht gereicht, um etwas dagegen zu unternehmen.
Das habe ich erst 2011 getan, als ich zusätzlich zu meinen Ängsten noch in einer depressiven Phase steckte. In der Uni habe ich nichts erledigt bekommen, ich ging zu keiner von meinen Vorlesungen. Zuerst dachte ich, das wäre nur Faulheit. Aber dann gab es Tage, an denen ich es kaum aus dem Bett geschafft habe. Und ich habe auch nichts mehr gefühlt – ich war weder traurig, noch glücklich. Es war einfach leer. Weil ich diesen Zustand nicht mehr ausgehalten habe, bin endlich ich zu einer Psychotherapeutin gegangen. Diese hat meine Vermutungen dann bestätigt und bei mir soziale Phobie und Dysthymie diagnostiziert. Letzteres ist eine Form der Depression, bei der die Symptome weniger stark ausgeprägt sind, aber chronisch verlaufen.

Die Behandlung

Zu erfahren, dass ich mir das Ganze nicht einbilde, war schon einmal eine riesige Erleichterung. Jetzt hieß es, dagegen anzukämpfen. Einige Monate lang besuchte ich regelmäßig meine Psychotherapeutin. Es tat gut, sich alles von der Seele zu reden, aber irgendwie hat es nicht geklickt zwischen uns beiden. Also habe ich irgendwann aufgehört, mir Termine auszumachen. Schließlich ging es mir ja schon viel besser – das habe ich mir zumindest eine Zeit lang eingeredet. Als die Symptome dann wieder schlimmer wurden, hat mir eine Freundin ihren Psychiater empfohlen. Schon nach einem kurzen Gespräch wusste er genau, was ich brauchte und hat mir Medikamente verschrieben. Nach einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase mit den typischen Nebenwirkungen (in den ersten Tagen haben meine Zähne geklappert und ich war so aufgedreht als wäre ich high), hat sich dann alles normalisiert – und ich habe wieder funktioniert wie ein normaler Mensch. Es war für mich der Wahnsinn, wieder normale Dinge wie einkaufen gehen tun zu können, ohne danach total fertig zu sein.

Wie sieht es jetzt aus?

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wann ich die Medikamente abgesetzt habe. Auf jeden Fall ist es jetzt schon eine Weile her. Und momentan kann ich sagen, dass es mir gut geht – und jetzt ist das auch wahr. Ein bisschen war ich besorgt, dass mich der Umzug nach Innsbruck letztes Jahr wieder in alte Muster verfalle. Doch nach einer kurzen Phase der Einsamkeit war alles wieder okay. Ich hoffe, das bleibt auch so, aber wenn nicht, dann weiß ich jetzt wenigstens, was zu tun ist.

Was ich mit dem ganzen Beitrag sagen will? Dass es okay ist, um Hilfe zu bitten, wenn es einem psychisch nicht gut geht – Depressionen und andere Geisteserkrankungen sollten genauso ernst genommen werden wie jede andere Krankheit auch. Also wenn ihr damit zu kämpfen habt, traut euch, was zu sagen!

Previous Post Next Post

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen